
Moritz Schlick (1882-1936): Ein Denker zwischen Philosophie und Naturwissenschaften
Moritz Schlick ist eine der prägenden Gestalten der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Als Vertreter der wissenschaftlichen Philosophie und Begründer des „Wiener Kreises“ des logischen Empirismus gab er entscheidende Impulse für die moderne Sprachphilosophie und Wissenschaftstheorie.
Moritz Schlick, aus Berlin stammend, studierte Naturwissenschaften und Mathematik in Heidelberg, Lausanne und Berlin. Nach der Promotion bei Max Planck folgten weitere Studienjahre, u.a. in Zürich, wo sich Schlick intensiv mit Psychologie beschäftigte. 1911 wurde er an der Universität Rostock mit der Arbeit "Das Wesen der Wahrheit nach der modernen Logik" habilitiert. Schlick forschte und lehrte 10 Jahre an der Universität Rostock. 1922 nahm er einen Ruf an die Universität Wien, wo er bis zu seiner Ermordung 1936 wirkte.
Neben erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Arbeiten lieferte Schlick auch Beiträge zur Ästhetik, Ethik und Kulturphilosophie. Zeit seines Lebens stand er mit zentralen Figuren der Wissenschaft und Philosophie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Gedankenaustausch, so mit Albert Einstein, Ernst Cassirer, Bertrand Russell und Ludwig Wittgenstein. Ihm gelang es, die Umbrüche in den Wissenschaften im beginnenden 20. Jahrhundert und die daraus folgenden Erkenntnisse in Physik, Psychologie und Mathematik, für die Philosophie fruchtbar zu machen, mit seinen Schriften philosophische Traditionen aufzubrechen und Wege in die Moderne zu ebnen.
Das Projekt: Edition von Nachlass und Korrespondenz
Ziel des Langzeitvorhabens der Akademie ist es, den wissenschaftlichen Nachlass sowie die Korrespondenz Moritz Schlicks in einer wissenschaftlich fundierten Edition zugänglich zu machen. Nachlass und Briefe Schlicks befinden sich derzeit in Archiven bzw. in Privatbesitz und sind bislang kaum erforscht. Die Edition von Nachlass und Korrespondenz wird die insgesamt 30-bändige Moritz Schlick Gesamtausgabe vervollständigen.
Mit der Moritz Schlick Gesamtausgabe wird erstmals das gesamte Schaffen des Wegbereiters der analytischen Philosophie und Wissenschaftstheorie des 20. Jahrhunderts der internationalen Forschung und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dadurch wird eine kritisch-systematische sowie wissenschafts- und philosophiehistorische Auseinandersetzung mit dem Denken Schlicks möglich gemacht und die Arbeit an weitergehenden Forschungsprojekten angeregt. Sie leistet damit einen Beitrag zur Aufarbeitung und Neubewertung des Wiener Kreises, die in den vergangenen Jahren verstärkt in den Blickpunkt der internationalen Forschung gerückt sind.
Erarbeitet wird das Projekt an der Moritz-Schlick-Forschungsstelle an der Universität Rostock, die sich seit 1998 der Aufarbeitung von Leben, Werk und Wirkung von Schlick widmet. In enger Zusammenarbeit mit dem Institut Wiener Kreis an der Universität Wien sowie der Forschungsstelle und Dokumentationszentrum für österreichische Philosophie (FDÖP) in Graz wurden bereits die zu Lebzeiten veröffentlichten Schriften Moritz Schlicks textkritisch ediert und kommentiert. Geleitet wird die Forschungsstelle von Prof. Dr. Hans Jürgen Wendel, der gemeinsam mit seinen Mitarbeitern Dr. Olaf Engler und Dr. Mathias Iven die Moritz Schlick Gesamtausgabe herausgibt.
Die Mittel für das Projekt kommen aus dem Akademienprogramm zur Förderung geisteswissenschaftlicher Langzeitprojekte. Der Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern finanzieren je die Hälfte. Die Universität Rostock unterstützt das Projekt mit Personalstellen, Räumen und Technik.
Weitere Informationen: http://www.moritz-schlick.de/
Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten der Moritz Schlick Forschungsstelle der Universität Rostock.
Lebenslauf von Moritz Schlick zum Download