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Der Literaturwissenschaftler Jasper Schagerl erhält den Joachim-Jungius-Preis 2026 für seine Studie zum diesjährigen Preis-Thema „Übertragungen“

Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg verleiht den Joachim-Jungius-Preis 2026 zur wissenschaftlichen Nachwuchsförderung an den Literaturwissenschaftler Dr. Jasper Schagerl von der Universität Bremen. Seine eingereichte Forschungsarbeit trägt den Titel „Umstände erzählen. Die Prosa des Falls bei Harsdörffer, Thomasius und Gayot de Pitaval“. Der Preisträger untersucht hier den Einfluss juristischer Praktiken auf moderne deutschsprachige Prosaformen zwischen 1650 und 1750. Die Joachim-Jungius-Stiftung der Wissenschaften zu Hamburg stiftet den Preis, der mit 5.000 Euro dotiert ist. Im Jahr 2026 war er zum Thema „Übertragungen“ ausgeschrieben. Schagerl erhält den Preis am 26. November 2026 bei der Jahresfeier der Akademie in Hamburg.

Der Literaturwissenschaftler Dr. Jasper Schagerl von der Universität Bremen erhält den Joachim-Jungius-Preis 2026.

Der Ausschuss für Nachwuchspreise der Akademie der Wissenschaften in Hamburg hebt die hervorragende Qualität der Einreichung hervor: Jasper Schagerls Studie überzeuge als eindrucksvolles, stark interdisziplinäres Werk, das dem zentralen Übertragungsgedanken im Sinne von Tradition, Transfer und Translation auf vielschichtige Weise gerecht werde. Um den Preis hatten sich insgesamt 37 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beworben.

Die mit dem Joachim-Jungius-Preis prämierte Arbeit fragt danach, wie juristische Schreibpraktiken in literarische Formen eingehen konnten und welche neuen Funktionen sie dabei erhielten. Dabei geht sie von der These aus, dass das Erzählarchiv der Juristen wegweisend für das Entstehen einer realistischen Fallprosa war. Als die Versdichtung Mitte des 17. Jahrhunderts unter Lügenverdacht geriet, wurde die Prosa poetologisch aufgewertet. Allerdings mangelte es ihr an Vorbildern. Man orientierte sich daher an Schreibpraktiken aus dem Bereich des Rechts und der Verwaltung. Hier hatte sich die Prosa bereits profilieren und in Form von juristischen Fallgeschichten auf dem Buchmarkt Erfolge verzeichnen können.

Um diese Übertragungen von juristischen Fallgeschichten hin zur Literatur angemessen zu erfassen, richtet die Studie am Beispiel von drei Autoren den Blick auf einen größeren wissensgeschichtlichen Umbruch in der Frühen Neuzeit. Er hat auch die juristische Praxis nachhaltig verändert und zur Entstehung empirischer Wissenschaften und die damit einhergehende Aufwertung kasuistischen Wissens beigetragen. Der Literaturwissenschaftler Jasper Schagerl untersucht das Schaffen des Nürnberger Barockdichters Georg Philipp Harsdörffer, des Frühaufklärers Christian Thomasius und des Pariser Parlamentsadvokaten François Gayot de Pitaval. Der Franzose gilt als Begründer der modernen rechtlichen Fallgeschichte und hat mit den Pitavalgeschichten eine eigene Gattung geschaffen. Die komplexen Rückkopplungsschleifen und Übertragungsmechanismen zwischen Poetik, Recht und Wissenschaft stehen im Zentrum der Studie von Dr. Jasper Schagerl. Seine Arbeit wurde 2024 mit dem Scherer-Preis für herausragende Dissertationen der germanistischen Literaturwissenschaft ausgezeichnet.

Dr. Jasper Schagerl, 1990 in Tübingen geboren, studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Theaterwissenschaft, Germanistik und Medienkulturwissenschaft. An der Humboldt-Universität zu Berlin wurde er im Fach Neuere deutsche Literatur promoviert. Seine Dissertation entstand im Rahmen des Graduiertenkollegs „Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen“. Seit Oktober 2023 ist er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bremen tätig (Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, 17. bis 19. Jahrhundert, Prof. Dr. Christian Kirchmeier). Von September 2025 bis August 2026 war Schagerl zudem Postdoctoral Fellow an der us-amerikanischen Yale University. Von Oktober 2026 bis September 2027 ist er Forschungsstipendiat am Forschungszentrum „Aufklärung – Religion – Wissen“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Zum Joachim-Jungius-Preis
Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg und die Joachim-Jungius-Stiftung haben eine Kooperationsvereinbarung geschlossen: Seit 2020 wird von der Akademie alle zwei Jahre der von der Stiftung finanzierte Joachim-Jungius-Preis zur wissenschaftlichen Nachwuchsförderung in Höhe von 5.000 Euro zu einem aktuellen Schwerpunktthema vergeben. Die Ausschreibung richtet sich an promovierende oder promovierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis zu einem Alter von 40 Jahren zum Zeitpunkt der Bewerbung, die einer Universität oder außeruniversitären Forschungseinrichtung in Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern oder Bremen angehören.