Können wir den Texten, die wir lesen, vertrauen?

Für viele Texte (in einigen Fällen sogar solche von modernen europäischen Autoren, Schriftstellern oder Wissenschaftlern) verfügen wir nicht über die originalen, materiellen Zeugnisse, die die Texte übermitteln, wie sie von den Autoren niedergeschrieben wurden; dennoch lesen und studieren wir ihre Werke. Können wir also den Texten, die wir lesen, vertrauen?

Zielsetzung der Arbeitsgruppe Philologie und Textkritik: Überlieferungsgeschichte, Praxis und Methoden der Textedition – ein globaler und vergleichender Ansatz

  • Exploration und Bestandsaufnahme philologischer Techniken zur Wissensübermittlung, ihrer Theorien und Geschichte, auf Basis einer breiten kulturellen und chronologischen Perspektive, von ihren Ursprüngen bis hin zum digitalen Zeitalter.

Projektbeschreibung

Um zu wissen, ob wir den vorliegenden Texten vertrauen können, müssen wir eine Vorstellung davon haben:

  • wie im Laufe der Zeit (in Jahren, Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden) die Texte überliefert wurden,
  • welche Art von Änderungen, Neuerungen (technisch, „Fehler“ bei Autorentexten) oder Anpassungen an ihnen vorgenommen wurden, 
  • warum und wie, nach welchen Methoden und mit welchen Zielen, wir diese Änderungen erkennen, verstehen und korrigieren oder auch einfach nur neutral darstellen können.

Die Antwort auf diese Fragen ist der primäre Gegenstand der Philologie als Textkritik, d. h. als kritische Untersuchung der Texte und das Nachvollziehen ihrer Geschichte. Da geschriebene Texte seit Jahrtausenden das mächtigste Mittel zur Übermittlung von Kultur sind, stellen die verschiedenen Herangehensweisen an das schriftliche Erbe auch einen grundlegenden Teil des Wissens dar, sowohl in der europäischen Tradition als auch in anderen Kulturen, die seit Tausenden von Jahren eine verfeinerte philologische Tradition kennen.

Ziel der Arbeitsgruppe ist eine Exploration und Bestandsaufnahme philologischer Techniken zur Wissensübermittlung, ihrer Theorien und Geschichte, auf Basis einer breiten kulturellen und chronologischen Perspektive, von ihren Ursprüngen bis hin zum digitalen Zeitalter. Diese Untersuchung schließt die Disziplinen der niederen und höheren Textkritik ein, aber auch die Exegese und Hermeneutik sowie die materiellen Grundlagen in Manuskriptforschung und Kodikologie. Im Moment deckt die Gruppe einen kulturellen Raum ab, der Europa, den Mittelmeerraum, Äthiopien, Indien und China von der Antike bis in die Gegenwart umfasst.

Perspektiven und Rückblick

  • 8.–9. Dezember 2022, Hamburg: Workshop „Criticism of the Variant: Philological Discussions in Traditional Commentary Cultures“
  • 6. Mai 2022, Hamburg: Auftaktworkshop „Philologische Kulturen: Die Traditionen“
  • Sommersemester 2022: Vorlesungsreihe „Textual Criticism and Editorial Technique of Multilingual Manuscript Traditions (Part 2)“ (in Kooperation mit dem Centre for the Study of Manuscript Studies und der Akademie der Wissenschaften in Göttingen)
  • Wintersemester 2021/2022: Vorlesungsreihe „Textual Criticism and Editorial Technique of Multilingual Manuscript Traditions (Part 1)“ (in Kooperation mit dem Centre for the Study of Manuscript Studies und der Akademie der Wissenschaften in Göttingen)

Mitglieder der Arbeitsgruppe

Amt Name Fachgebiet
Prof. Dr. Alessandro Bausi Klassische Philologie
Prof. Dr. Christian Brockmann Klassische Philologie, insbesondere Gräzistik
Prof. Dr. Michael Friedrich Sinologie
Prof. Dr. Kaja Harter-Uibopuu Alte Geschichte
Prof. Dr. Harunaga Isaacson Klassische Indologie
Sprecher Prof. Dr. Eva Wilden Kultur und Geschichte Indiens und Tibets