Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt zusammen betrachten

Das engere Zusammenleben von immer mehr Menschen mit Tieren, das Eindringen von Menschen in zuvor geschützte tierische Lebensräume und die zunehmende Mobilität führen ebenso wie die Klimaveränderungen zu neuen Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier. One Health bedeutet, die Gesundheit von Menschen, Tieren und der Umwelt zusammen zu betrachten und alle Sektoren in Beziehung zu setzen.

Zielsetzung der Arbeitsgruppe One Health

Die seit Januar 2024 bestehende Arbeitsgruppe wird den ganzheitlichen Ansatz von One Health zu einem umfassenden Verständnis von Gesundheit bearbeiten. Dabei folgt die Arbeitsgruppe der Definition von One Health durch das One Health High-Level Expert Panel (OHHLEP). Auf dieser Definition basiert auch der „One Health Joint Plan of Action“ der Quadripartite der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Welternährungsorganisation (FAO), der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) mit sechs Aktionspunkten:

• One-Health-Kapazitäten zur Stärkung von Gesundheitssystemen erweitern
• das Risiko von neuen und wieder auftretenden zoonotischen Epidemien und Pandemien verringern
• endemische zoonotische, vernachlässigte tropische und vektor-übertragene Krankheiten kontrollieren und eliminieren
• Risikobewertung, Risikomanagement und Risikokommunikation bei der Lebensmittelsicherheit stärken
• die „stille Pandemie“ der antimikrobiellen Resistenz einschränken
• die Umwelt in den „One Health“-Ansatz zu integrieren.

Das OHHLEP spiegelt international die Diversität wider, die nun auf nationaler Ebene die Arbeitsgruppe der Akademie der Wissenschaften in Hamburg umsetzen möchte.

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Thomas Mettenleiter

Die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ist auf vielfältige Weise verbunden, was auch durch die COVID-19-Pandemie eindrucksvoll belegt wurde. Diese intrinsische Verbindung greift der One-Health-Ansatz interdisziplinär und transsektoral auf, um Barrieren zwischen Fachgebieten und Sektoren abzubauen. Kommunikation, Koordination, Kooperation und Kapazitätsaufbau sind für den Erfolg notwendige Grundprinzipien.

Projektbeschreibung

One Health ist ein systemischer, ganzheitlicher Ansatz, um das Thema „Gesundheit“ ganzheitlich zu erfassen. Er basiert auf einer transsektoralen, interdisziplinären Zusammenarbeit und ist damit eine ideale Thematik für eine Arbeitsgruppe der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. Der One-Health-Ansatz ist eine Weiterentwicklung des „One Medicine“-Konzeptes, das von den Disziplinen der Human- und Veterinärmedizin getragen wird. One Health bezieht darüber hinaus unter anderem viele Bereiche anderer Naturwissenschaften (zum Beispiel Biodiversitätsforschung, Klimaforschung) sowie Sozialwissenschaften und Anthropologie mit ein.

Anlässlich der Verleihung des Hamburger Wissenschaftspreises 2023 zum Thema „One Health“ ist zunächst eine Vorlesungsreihe im ersten Halbjahr 2024 vorgesehen, in welcher der Preisträger Fabian Leendertz, der Sprecher der Akademie-Arbeitsgruppe, Thomas Mettenleiter, und zwei weitere Vortragende das Thema umfassend vorstellen und anhand von Best-Practice-Beispielen fassbar machen.

Für das zweite Halbjahr 2024 ist ein Workshop geplant, bei dem die verschiedenen Disziplinen ihre Vorstellungen in die Bearbeitung des Themas und ihre aktive Mitarbeit einbringen werden. Drei der sechs Aktionspunkte (Antimikrobielle Resistenzen, Epidemien/Pandemien, andere Infektionskrankheiten) wurden bereits in der abgeschlossenen Arbeitsgruppe „Infektionsforschung und Gesellschaft“ thematisiert. Der Fokus soll nun auf der Integration dieser Themen in den Gesamtkomplex „One Health“ liegen.

Weitere Aktivitäten ergeben sich aus den Ergebnissen des Workshops. Im Bereich von One Health bieten sich auch umfangreiche Vernetzungen mit anderen Akademien und Instituten im In- und Ausland an. Spätestens am Ende der fünfjährigen Arbeitsperiode sind ein Abschluss-Symposium und eine entsprechende Publikation (Status Quo des One-Health-Ansatzes, Thesenpapier zur Weiterentwicklung des Ansatzes) vorgesehen.

Perspektiven

Ständige Gäste

• Prof. Dr. Fabian Leendertz, Gründungsdirektor des Helmholtz-Instituts für One Health (HIOH) in Greifswald, Preisträger des Hamburger Wissenschaftspreises 2023 zum Thema „One Health“

• Prof. Dr. Simone Sommer, Direktorin des Instituts für Evolutionsökologie und Naturschutzgenomik, Universität Ulm