"Kulturerbe in Krisenzeiten" und "Ein verlorener Kontinent und ein wiedergefundenes Reich"
Kulturerbe in Krisenzeiten: Strategien zum Schutz und zur Erforschung äthiopischer und eritreischer Manuskriptkultur
Die Bewahrung des kulturellen Erbes stellt insbesondere in Regionen, die von bewaffneten Konflikten und Naturkatastrophen bedroht sind, eine immense Herausforderung dar. Dies gilt in besonderem Maße für Äthiopien und Eritrea, deren reiches, teils noch unerforschtes handschriftliches Kulturgut gefährdet ist oder infolge anhaltender Krisenphasen für die Wissenschaft auf lange Sicht unzugänglich werden könnte. Das Hamburger Projekt Beta maṣāḥəft widmet sich daher der Frage, wie die Erfassung und Erforschung dieses einzigartigen Kulturguts unter unsicheren Bedingungen organisiert werden kann. Das Projektteam setzt dabei auf enge Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften, die Einbindung regionaler Expertise und gezielten Einsatz digitaler Technologien.
Vortrag: Vertr.-Prof. Dr. Denis Nosnitsin, Vertretungsprofessor für Äthiopistik an der Universität Hamburg und Mitarbeiter im Langzeitvorhaben Beta maṣāḥǝft
Langzeitvorhaben Beta maṣāḥǝft: Manuscripts of Ethiopia and Eritrea (Schriftkultur des christlichen Äthiopiens und Eritreas: eine multimediale Forschungsumgebung)
Äthiopien und Eritrea liegen, kulturgeschichtlich gesehen, sowohl am Rande des „Christlichen Orients“ als auch mitten in Afrika. Außergewöhnlich Für afrikanische Länder südlich der Sahara außergewöhnlich, verfügen die beiden Länder über ein reiches schriftliches Erbe, das auf das erste Millennium vor unserer Zeitrechnung zurückgeht. Durch das Langzeitvorhaben Beta maṣāḥǝft: Manuscripts of Ethiopia and Eritrea entsteht erstmalig eine vielfältige und vielschichtige virtuelle Forschungsumgebung, in der die detaillierten Beschreibungen der Handschriften aus Äthiopien und Eritrea mit ausführlichen Informationen zu den Schreibern und Besitzern, den übermittelten Literaturwerken und deren Autoren und Herkunftsorten verknüpft werden.
Ein verlorener Kontinent und ein wiedergefundenes Reich: Tamil Renaissance, Nationalismus und die „Reines-Tamil“-Bewegung
Als spät im kolonialen 19. Jahrhundert die klassischen Texte der tamilischen Literatur wiedergefunden wurden, waren sie für viele das Symbol eines goldenen Zeitalters: keine Engländer, kein Sanskrit-murmelnden Brahmanen, keine Kasten. Zum Ort des Symbols wurde Lemuria, einst die Landbrücke zwischen Afrika und Südindien. Diese Vision ist die Basis für eine sprachpuristische Bewegung, die das reine Tamil in seiner alten Größe erstrahlen lassen wollte. Wie geht ein modernes Akademieprojekt mit Diskursen um, in deren extremen Formen Tamil zur Ursprache der Menschheit avanciert ist?
Vortrag: Prof. Dr. Eva Wilden, Professorin für Tamilistik und Manuskriptforschung an der Universität Hamburg, Projektleitung des Langzeitvorhabens „Tamilex“ und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
Langzeitvorhaben Tamilex: Establishment of an electronic corpus of Classical Tamil literature and the corresponding historical lexicon informed by emic exegetical and lexicographical sources
Tamilex betreibt Quellensicherung durch die Erstellung eines digitalen Korpus der Tamilliteratur des ersten Jahrtausends. Manuskriptbilder (Palmblatt und Papier) stehen neben älteren Editionen, neuen kritischen Editionen des Teams, alten und neuen Kommentaren, sowie annotierten Übersetzungen ins Englische. Auf dieser Basis entsteht das erste historische Wörterbuch der alten tamilischen Sprachen. Unter Einbeziehung der traditionellen Lexika im Thesaurusformat fragen wir nach der Entwicklung von Formen und Bedeutungen, die nicht von politisch motivierten, von vorne herein feststehenden Schlussfolgerungen abhängig sind.
Moderation: Dr. Amadou Korbinian Sow
Postdoc an der DFG Kolleg-Forschungsgruppe „Reflexive Globalisation and the Law – Colonial Legacies and their Implications in the 21st Century“ der Humboldt-Universität zu Berlin
Grußwort: Prof. Dr. Christian Brockmann
Professor für Klassische Philologie (Griechisch) an der Universität Hamburg, Projektleiter des Projekts Etymologika und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
Donnerstag, 23. Oktober 2025 um 19:00 Uhr
im Vortragsraum der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
Von-Melle-Park 3, 20146 Hamburg
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.
Für die Teilnahme vor Ort ist eine Anmeldung erforderlich unter veranstaltungen@awhamburg.de
Sie erhalten von uns eine Bestätigung.