Akademiemitglied Siegfried Oechsle mit Ehrennadel ausgezeichnet

Mit ihrer Ehrennadel hat die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste Prof. Dr. Siegfried Oechsle wegen seiner Verdienste als langjähriger Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Akademienunion ausgezeichnet. Oechsle nahm die Ehrennadel gestern auf der Jahrfeier der Nordrhein-Westfälischen Akademie in Düsseldorf entgegen. Die Laudatio hielt der Historiker Prof. Dr. Konrad Vössing von der Universität Bonn.

Prof. Dr. Siegfried Oechsle (links) hat die Ehrennadel der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste von Präsidentin Prof. Julia Bolles-Wilson erhalten. Laudator war Prof. Dr. Konrad Vössing von der Universität Bonn.

Siegrfied Oechsle war seit 2007 von der Akademie der Wissenschaften in Hamburg entsandtes Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission der Akademienunion. Seit Herbst 2013 wirkte er zunächst als kommissarischer Vorsitzender, dann von Frühjahr 2014 bis Frühjahr 2020 als deren gewählter Vorsitzender. Nach zwei Amtsperioden schied Oechsle turnusgemäß aus. Er ist Professor der Historischen Musikwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

„Die Leitung des 16-köpfigen Gremiums war fachlich wie menschlich eine wunderbare Zeit“, erinnert sich Prof. Dr. Siegfried Oechsle. „Das Gremium ist für die Evaluierung eines weltweit einzigartigen Förderformats geisteswissenschaftlicher Langzeitforschung zuständig, und zwar für laufende wie für neue Vorhaben. Die Herausforderung für die zeitlich wie stofflich intensive Tätigkeit bestand zum einen in der interdisziplinären, international vernetzten Vielfalt der Fächer, zum anderen in der Breite der föderalen Wissenschaftslandschaft, wesentlich getragen von den acht nationalen Wissenschaftsakademien wie eben auch der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. Das faszinierende Aufgabenfeld der Kommission ist geprägt durch Arbeit, Verantwortung und Respekt – geht es doch um Erschließung, Bewahrung, Interpretation und Präsentation von Teilen des globalen kulturellen Erbes.“

Aus der Laudatio von Konrad Vössing

Siegfried Oechsle habe die Arbeit als Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Akademienunion "mit Esprit, Sachverstand, Herzblut, und zugleich großer Menschenfreundlichkeit ausgeübt". So Konrad Vössing in seiner Laudatio. Er hob Oechsles "großes Engagement und Arbeitsethos und (..) unerschöpfliche Neugierde und Begeisterung für die unterschiedlichen Facetten geisteswissenschaftlicher Forschung" hervor. Und weiter:

"Es liegt in der Natur der Sache, dass Auswahlentscheidungen bei immer knappen, ja knapperen Mitteln nicht allen gefallen können, weil es eben viel mehr Ablehnungen als Zusagen geben muss, wobei die Langzeitprojekte, die am Ende zu bewerten sind, zwar teils sehr unterschiedlicher Natur sind, sich in ihrer hohen Qualität aber oft gar nicht stark unterscheiden. Desto schwieriger ist die Arbeit der Kommission, die an dieser Situation ja nichts ändern kann. Was sie versuchen kann und was ihr Vorsitzender getan hat, ist, die Entscheidung verständlich zu machen in ihren Kriterien sowie Verständnis und Respekt zu zeigen für die einzelnen Anträge, von denen jeder die Autorinnen und Autoren viel Zeit, Energie und Gedankenarbeit gefordert hat. Verbunden haben Sie dies mit abwägend-klugen, nie verletzenden oder beschädigenden, aber doch präzisen, auch feinsinnig-ironischen, ja witzigen Formulierungen, die ja mancher Dramatik ihre Spitze oder ihre Bitterkeit nehmen können."

Zum Akademienprogramm

Die Akademienunion koordiniert das Akademienprogramm: Es ist das derzeit größte Forschungsprogramm in Deutschland für geistes- und sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung.

Das Akademienprogramm umfasst bei einem Finanzvolumen von 70,8 Millionen Euro insgesamt 123 Vorhaben mit rund 181 Arbeitsstellen. Aktuell läuft die Arbeit an 17 Wörterbüchern, 104 Editionen sowie zwei Projekten aus der sozial- und kulturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. Träger des Programms und zuständig für die Bearbeitung der Vorhaben sind die acht in der Akademienunion zusammengeschlossenen Akademien und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina.

Die fünf Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften in Hamburg in Kooperation mit der Universität Hamburg fügen sich auf vielfältige Weise in das Akademienprogramm ein:

• Das Langzeitvorhaben Formulae – Litterae – Chartae erforscht und ediert frühmittelalterliche Formulae, die als Vorlagen für Urkunden und Briefe die Vielfalt des gelehrten Schreibens im frühmittelalterlichen Westeuropa dokumentieren.

• Das Langzeitvorhaben Die Schriftkultur des christlichen Äthiopiens und Eritreas: Eine multimediale Forschungsumgebung bereitet das Wissen über diese Handschriftenkultur systematisch und multimedial auf.

• Das Langzeitvorhaben INEL (Grammatiken, Korpora und Sprachtechnologie für indigene nordeurasische Sprachen) erschließt indigene nordeurasische Sprachen, und zwar in digitalen empirischen Datensammlungen (Korpora). Vielen dieser Sprachen sind vom Aussterben bedroht und werden bereits nicht mehr gesprochen.

• Das Langzeitvorhaben Etymologika widmet sich griechisch-byzantinischen etymologischen Wörterbüchern als bedeutendsten lexikographischen Leistungen antiker und mittelalterlicher Wissensgeschichte in Europa.

• Das Langzeitvorhaben Entwicklung eines korpusbasierten elektronischen Wörterbuchs Deutsche Gebärdensprache - Deutsch hat zum Ziel, gebärdensprachliche Texte von Gehörlosen zu sammeln und in Teilen als Korpus der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen; ein großer Teil ist bereits auf Video-Basis online veröffentlicht und erfüllt die Funktion eines elektronischen Wörterbuchs.

Über die Beteiligung der Akademie der Wissenschaften in Hamburg an dem Konsortium Text+, einem Verbund der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), können die digitalen Forschungsdaten der Langzeitvorhaben langfristiger und breiter von der Wissenschaft wie von der Öffentlichkeit genutzt werden.

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