Akademie startet neue Essay-Reihe zum Thema „Gerechtigkeit“

Ob Klimagerechtigkeit, soziale Gerechtigkeit oder Geschlechtergerechtigkeit: Mitglieder der Akademie der Wissenschaften in Hamburg beleuchten in einer neuen Essay-Reihe diese und andere Aspekte des Themas „Gerechtigkeit“ aus Sicht ihrer jeweiligen Fachdisziplin. In dem zunächst digital publizierten Format wird die interdisziplinäre Stärke der Akademie erfahrbar. Die ersten drei Texte sind jetzt online. Auf das Thema „Gerechtigkeit“ sollen in den Folgejahren jeweils andere gesellschaftlich relevante Schwerpunktthemen folgen.

Klimagerechtigkeit: eines der Themen in der neuen Essay-Reihe.

Den Auftakt-Essay zur neuen Reihe hat Akademiepräsident und Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif verfasst. Der renommierte Klimaforscher befasst sich in seinem Text mit „Klimagerechtigkeit“, denn der Klimawandel wirkt generationen- und grenzübergreifend. Klimaschutz sei eine Frage der Gerechtigkeit zwischen globalem Norden und Süden, zwischen Arm und Reich ebenso wie zwischen Generationen:
„Der Klimawandel betrifft die am stärksten gefährdeten Menschen unverhältnismäßig stark, worin eine himmelschreiende Ungerechtigkeit besteht. Die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung – knapp vier Milliarden Menschen – sind für gerade mal zehn Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich, werden aber von Stürmen, Dürren und anderen Folgen des Klimawandels wie den ansteigenden Meeresspiegeln besonders hart getroffen. Die reichen Menschen stoßen überproportional viele Treibhausgase aus“, so Latif.
„Einen zielführenden Klimaschutz wird es nur geben können, wenn es auf der Welt gerecht zugeht.“

Die Anglistin Prof. Dr. Anna Margaretha Horatschek widmet sich dem Thema „Öko-Gerechtigkeit, Öko-Rassismus und epistemische Ungerechtigkeit“. Im Mittelpunkt ihrer Überlegungen steht der Roman „Hunger der Gezeiten“ („The Hungry Tide“) von Amitav Gosh. Denn Umweltkatastrophen treffen Arme und BIPoC (Black/Indigenous People of Color) häufiger und härter als wohlhabende Weiße, bei Lösungsvorschlägen werden sie nicht gehört. Warum das so ist, das zeigt Amitav Ghosh in seinem Buch über Öko-Rassismus.

Aus religionswissenschaftlicher Perspektive nähert sich Prof. Dr. Anja Pistor-Hatam dem Thema „Gerechtigkeit“: „Ein ‚Haus der Gerechtigkeit‘ für Iran – Die Verfassungsrevolution von 1906-1911 im Zeichen der Gerechtigkeit“ ist der Essay der Islamwissenschaftlerin überschrieben. Gerechtigkeit gilt im Islam als wesentliche Tugend. Im Widerstand gegen den Despotismus des Schahs beriefen die Menschen sich während der iranischen Verfassungsrevolution auf das ihnen nach schiitischer Praxis zustehende Recht auf gerechte Herrschaft.

Weitere Essays folgen im Laufe der nächsten Monate – unter anderem zu Fragen der Geschlechtergerechtigkeit aus rechtsphilosophischer Sicht und zu Opfergerechtigkeit vor dem Internationalen Gerichtshof. Ebenso wird das Thema „Frieden und Gerechtigkeit“ behandelt.

Aus der digitalen Veröffentlichung auf der Website der Akademie soll ein gedruckter Essay-Band hervorgehen.

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