Warum eine Wissenschaftsakademie für die Spitzenforschung in Norddeutschland wichtig ist

Der Psychologe Kurt Pawlik lehrte bis 2002 an der Universität Hamburg. Er war Präsident der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften und Gründungsmitglied der Akademie. Als Ehrenmitglied engagiert er sich noch heute in Arbeitsgruppen der Akademie. Während seiner langen wissenschaftlichen Karriere wirkte er in leitenden Funktionen unter anderem im Europarat, als Präsident des International Social Science Council und der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Als Vorsitzender der Joachim Jungius-Stiftung der Wissenschaften in Hamburg widmete er sich der Forschungsförderung. In unserem Kurzinterview spricht der Psychologe über die Geschichte der Akademie und seinen Wunsch für die Zukunft. 

Der Errichtung der Akademie der Wissenschaften in Hamburg war eine jahrzehntelange Phase der Vorbereitungen und Bemühungen vieler für eine Akademie für Norddeutschland voran gegangen. Allen voran die Joachim Jungius-Gesellschaft, als deren Präsident Sie auch Mitglied im Gründungsausschuss der Akademie waren. Was war die damalige Vision für die Gründung der Akademie?

Einer Akademie der Wissenschaften in der Satzung, Geschäftsordnung und Arbeitsweise durchaus vergleichbar, konnte die Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften zwar mit Akademien in Austausch treten, aber nicht an förmlicher Kooperation, am Akademienprogramm und akademietypischen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben Anteil erlangen: dazu fehlte ihr der volle Akademiestatus als rechtsfähige Körperschaft des öffentlichen Rechts. Diesen Strukturnachteil für die Wissenschaft in Hamburg und ganz Norddeutschland endlich zu überwinden, war primäres Ziel der damaligen Vision.

Seit vielen Jahren begleiten Sie die Entwicklung der Akademie. Sie engagieren sich in Arbeitsgruppen der Akademie. Welche Stärken hat die Akademie heute?

Eine Besonderheit in der Gründung der Akademie der Wissenschaften in Hamburg hat sich bis heute als eine ihrer großen Stärken bewährt: ihre ein-klassige Konstitution, nach der Fachvertreterinnen und -vertreter aus dem vollen Fächerspektrum der Wissenschaft in der einen gemeinsamen Akademieversammlung in der Entwicklung der Akademie und der Einrichtung des Kernstücks ihrer wissenschaftlichen Arbeit, transdisziplinärer Arbeitsgruppen, zusammenwirken,

Haben Sie einen besonderen Wunsch für die Zukunft der Akademie? Wohin sollte sie sich entwickeln?

In den zurückliegenden fünfzehn Jahren seit ihrer Gründung gelang der Akademie ein breit gefächerter wissenschaftlichen Austausch, auch in die Stadt und die Region, der Aufbau wissenschaftlicher Nachwuchsförderung, der Zusammenarbeit mit externen Institutionen der Wissenschaft und von großen Langzeit-Forschungsvorhaben -  bis heute alles ohne eine Erstausstattung mit Dienst-, Funktions-, Konferenz- und Arbeitsräumen. Noch immer allein angewiesen auf die Übergangslösung der vier Räume aus dem überlassenen Raumdeputat der Joachim Jungius-Gesellschaft, muss jetzt erster „Wunsch für die Zukunft der Akademie“ die längst überfällige Zuweisung einer angemessenen räumlichen Grundausstattung sein!

Das Interview führte Catherine Andresen.

Veröffentlicht am 4. März 2021